Ritze-Ratze (Hoffmann, Norbert Rudolf)
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General Information
| Work Title | Ritze-Ratze |
|---|---|
| Alternative Title |
| Composer | Hoffmann, Norbert Rudolf |
|---|---|
| Number of Movements/Sections | 1 |
| Year/Date of Composition | 2005 |
| Genre | Duet |
| Piece Style | Modern |
| Instrumentation | Viola, Doublebass |
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14 min.
"Ritze-Ratze" oder die Axt im Walde
Das Holz, aus dem Viola, Kontrabass und die vielen anderen Streichinstrumente hergestellt werden, kommt aus dem Wald. So nimmt es nicht wunder, dass diesen Klangerzeugern immer etwas Waldartiges anhaftet - der Komponist tut gut daran, deren immanenter Waldartigkeit gezielt Rechnung zu tragen.
Die verbreitetste Art, diesen Instrumenten Klänge zu entlocken, beruht auf sägenden Bewegungen, die vom Spieler unter Verwendung eines Bogens ausgeführt werden. Dass für diese Technik das "Ritze-Ratze" der Säge beim Fällen und Entasten der Bäume Pate gestanden ist, wird niemand bezweifeln. Die logische Fortentwicklung gipfelt in den Flageoletttönen, die das Ächzen der Bäume während des Fallens gezielt nachahmen.
Die weithin hallenden Schläge der Axt im Walde haben Komponisten angeregt, die Spieler sogar zu zwingen, ihre geliebten Instrumente mit der Faust zu malträtieren. In harmlosen Fällen klopft man zart auf den Korpus; gelegentlich wird aber auch mit dem Bogen, mit Trommelstöcken oder gar mit Hämmerchen auf das geplagte Instrument eingedroschen. Äxte sind zu diesem Zweck weniger geeignet, da sie in der Regel zur Beschädigung des Instruments führen.
Aber auch die Gefahren des Waldes geben Anlass zu besonderen Spieltechniken. Beim Pizzikatospiel kann es vorkommen, dass dem Spieler die Saite vom Finger abrutscht, so dass sie mit einem schussähnlichen Geräusch auf das Griffbrett schnellt (manche Komponisten verlangen das unter der Bezeichnung "Bartók-Pizzikato" sogar ausdrücklich). Die Beziehung zum Wald ist hier offensichtlich - schließlich sind dort Schüsse nichts Seltenes: Es ist schon vorgekommen, dass holzsuchende Instrumentenbauer von erbosten Jägern, Waldbesitzern oder Teilwaldnutzungsberechtigten wegen Beunruhigung des Wildes angeschossen wurden.
Eine Komposition, die die Waldartigkeit der Streichinstrumente ernst nimmt, wäre unvollständig, würde sie nicht auch deren Ende thematisieren. Nach einem langen Leben werden die Instrumente mit Hilfe von Äxten zerschlagen und anschließend fachmännisch zu Brennholz zersägt. Folgerichtig endet das Stück "Ritze-Ratze" mit der gezielten Zerschlagung und rhythmischen Zersägung von Viola und Kontrabass. Hier hat allerdings die Freiheit der Kunst ihr versicherungsrechtliches Ende: Auf der einen Seite ist Kunst geradezu verpflichtet, ihre Grenzen immer wieder auszuloten und zu überschreiten; andererseits kann die absichtliche Beschädigung einer versicherten Sache als Versicherungsbetrug eingestuft und mit Gefängnis geahndet werden. Die Interpreten weigern sich daher, der Kunst bis zu deren letzter Konsequenz zu dienen - eine Entscheidung, die wir zu respektieren haben, auch wenn die Belange der Kunst auf der Strecke bleiben.
Bedauerlicherweise müssen daher die letzten Takte des Werkes "Ritze-Ratze" bei der Aufführung entfallen.


